Heckmotor oder Mittelmotor: Drehmoment in Nm richtig lesen
Wo der Motor sitzt, verändert, wie ein E-Bike anfährt, wie es sich an der Steigung verhält und was an der Kette verschleißt. Die Zahl in Newtonmetern sagt dazu viel, aber nicht alles.
Von Henning Vortkamp, Stand 26.10.2026, 4 Minuten Lesezeit

Drei mögliche Orte für den Motor
Ein Nabenmotor im Vorderrad heißt Frontmotor, einer im Hinterrad Heckmotor. Ein Mittelmotor sitzt dort, wo die Tretkurbel gelagert ist, und treibt das Rad über Kette oder Riemen an. Jede dieser Lagen hat Folgen für das Fahrgefühl, die Schaltung und die Wartung.
Auf Stadtpedal ist die Verteilung eindeutig: Dreizehn der vierzehn Räder haben einen Heckmotor, eines hat einen Mittelmotor, ein Frontmotor kommt nicht vor. Ein Vergleich zwischen Heck und Mitte stützt sich hier also auf ein einziges Rad mit Mittelmotor, das Deruiz Quartz Pro. Zum Glück gibt es dazu ein fast gleiches Rad mit Heckmotor, das den Vergleich sauber macht.
Was Nm bedeutet
Das Drehmoment in Newtonmetern beschreibt, wie kräftig der Motor dreht. Es entscheidet über das Anfahren an der Ampel und über das Tempo an einer Steigung, kaum über die Höchstgeschwindigkeit, die bei einem Pedelec ohnehin begrenzt ist. Die Räder hier reichen von 35 Nm bis 100 Nm:
- 35 Nm: Deruiz Turmali M/L, Deruiz Turmali Comfort und Turmali S.
- 50 Nm: Blaupunkt EMMI, HENRI, FIENE, FRIDA und FRIDEL.
- 55 Nm: Blaupunkt ENNO, Deruiz Peridot, Quartz und Deruiz Quartz M.
- 55 bis 65 Nm, je nach Ausführung: URWAHN Stadtfuchs.
- 100 Nm: Quartz Pro.
Beim Stadtfuchs nennt URWAHN an verschiedenen Stellen zwei Werte. Stadtpedal gibt deshalb die Spanne wieder und legt sich auf keinen der beiden fest.
Warum Nm nicht gleich Nm ist
Ein Heckmotor gibt seine Kraft direkt an das Hinterrad ab. Ein Mittelmotor schickt sie durch die Schaltung, ähnlich wie die Beine des Fahrers. In einem kleinen Gang wird aus demselben Drehmoment am Hinterrad deutlich mehr Zugkraft. Deshalb lassen sich die Zahlen von Heck und Mitte nur mit Vorsicht nebeneinanderstellen. Innerhalb derselben Bauart sagen sie dagegen viel: Ein Heckmotor mit 55 Nm zieht kräftiger an als einer mit 35 Nm.
Quartz gegen Quartz Pro
Das Deruiz Quartz und das Quartz Pro sind fast dasselbe Rad. Beide haben einen tiefen Einstieg, 28-Zoll-Laufräder, einen Akku mit 644 Wh und ein zulässiges Gesamtgewicht von 160 kg. Für beide nennt Deruiz bis zu 161 km laut Hersteller. Der Unterschied liegt im Antrieb:
- Quartz: Heckmotor von Deruiz mit 55 Nm, acht Gänge, 24,59 kg mit Akku.
- Quartz Pro: Mittelmotor von Mivice mit 100 Nm, neun Gänge, 26,2 kg mit Akku.
Der Mittelmotor kostet hier also gut 1,6 kg mehr und bringt fast das doppelte Drehmoment. In den Werten von Stadtpedal erreicht das Quartz Pro beim Antrieb die volle Punktzahl, das Quartz liegt deutlich darunter. Bei der Wartung kehrt sich das um, das Quartz Pro liegt einen Punkt unter dem Quartz.
Was ein Mittelmotor an der Kette ändert
Weil der Mittelmotor über Kette und Ritzel arbeitet, tragen diese Teile seine ganze Kraft zusätzlich zur Kraft der Beine. Sie verschleißen schneller und wollen häufiger kontrolliert werden. Ein Heckmotor lässt die Kette dagegen in Ruhe, sie überträgt nur die Kraft des Fahrers. Passend dazu haben alle Räder mit Riemen auf Stadtpedal einen Heckmotor: Der Stadtfuchs und die beiden Turmali mit Riemen verbinden einen Nabenmotor hinten mit einem Antrieb, der fast keine Pflege braucht.
Gewichtsverteilung
Ein Heckmotor bringt Gewicht ins Hinterrad. Das spürt man beim Tragen, wenn das Rad hinten schwerer ist, und beim Ausbau des Hinterrads nach einer Panne, weil Kabel und Motor mit herausmüssen. Ein Mittelmotor sitzt tief in der Mitte und lässt das Rad ausgeglichener wirken. Alle sieben Klappräder auf Stadtpedal haben einen Heckmotor.
Motorhersteller im Datenblatt
Die Datenblätter nennen auch, wessen Motor im Rad steckt. Bei Blaupunkt sind es AKM im EMMI, im FRIDA und im FRIDEL, Xiongda in HENRI und FIENE sowie Shengyi im ENNO. Deruiz baut in Quartz, Quartz M und Peridot einen Motor unter eigenem Namen ein, in den drei Turmali und im Quartz Pro Motoren von Mivice. Im Stadtfuchs arbeitet ein Motor von Mahle. Für den Vergleich zählen Lage und Drehmoment mehr als der Name. Er hilft aber, wenn später Ersatzteile oder eine Werkstatt gesucht werden, und steht deshalb auf der Seite jedes Rades.
Leistung in Watt
Die Angabe in Watt sagt über das Fahrgefühl wenig. Für dreizehn Räder nennen die Hersteller 250 W, beim Stadtfuchs fehlt die Angabe im Datenblatt und steht deshalb als nicht angegeben. Für den Vergleich zwischen den Rädern bleibt das Drehmoment die aussagekräftigere Zahl.
Welcher Antrieb zu welchem Weg passt
Für flache Städte und kurze Wege genügt ein Heckmotor mit 35 bis 55 Nm, und er hält die Wartung gering. Für hügelige Strecken, schweres Gepäck oder einen Anhänger spricht das Drehmoment des Quartz Pro, auf Kosten eines höheren Gewichts und einer stärker belasteten Kette. Auf der Seite jedes Rades stehen Motorlage, Drehmoment und Hersteller des Motors so, wie das Datenblatt sie nennt.
Die Räder aus diesem Wegweiser
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