E-Bike mit Riemenantrieb: wartungsarm, aber nicht für jedes Rad
Ein Zahnriemen statt einer Kette verspricht saubere Hosen und wenig Pflege. Er verlangt aber einen passenden Rahmen und eine passende Schaltung, und deshalb haben ihn nur wenige Räder.
Von Henning Vortkamp, Stand 26.10.2026, 4 Minuten Lesezeit

Was ein Riemen anders macht
Ein Zahnriemen besteht aus Kunststoff mit eingelegten Fasern. Er braucht kein Öl, zieht keinen Schmutz an und läuft leise. Er dehnt sich kaum, sodass das Nachspannen seltener wird als bei einer Kette. Wer das Rad im Hausflur oder im Büro abstellt, schätzt vor allem den ersten Punkt: Es gibt keine schwarze Spur an der Hose und keine am Teppich.
Dafür hat der Riemen zwei Bedingungen. Er lässt sich nicht öffnen wie eine Kette, also braucht der Rahmen am Hinterbau eine Stelle, an der er sich teilen lässt. Und er läuft nicht über eine Kettenschaltung mit mehreren Ritzeln, sondern nur mit einer Nabenschaltung, einem Getriebe oder einem einzigen Gang. Ein Rad mit Riemen ist deshalb von Anfang an als solches gebaut, nachrüsten lässt er sich selten.
Drei Räder mit Riemen
Auf Stadtpedal nennen die Datenblätter von drei Rädern einen Riemenantrieb. Das ist wenig, und es wäre unredlich, die Auswahl größer erscheinen zu lassen. Die übrigen elf Räder fahren mit Kette.
- URWAHN Stadtfuchs: Riemen, Singlespeed oder Pinion-Schaltung mit 12 Gängen, je nach Ausstattung 11,5 bis 15,5 kg.
- Deruiz Turmali M/L: Riemen bei einem Teil der Ausführungen, 18,4 kg mit Akku.
- Deruiz Turmali Comfort: ebenfalls wahlweise mit Riemen, 19,8 kg mit Akku und tiefer Einstieg.
Beim Turmali M/L und beim Turmali Comfort hat nur ein Teil der Ausführungen einen Riemen, die anderen eine Kette. Die Seite des Rades zeigt, welche Ausführung welchen Antrieb hat. Eine Schaltung nennt Deruiz für die Turmali-Modelle im Datenblatt nicht, dort steht also „nicht angegeben“.
Riemen und Gewicht
Alle drei Räder mit Riemen bleiben unter 20 kg. Das ist kein Zufall: Wer auf Kettenschaltung und viele Ritzel verzichtet, kommt mit weniger Bauteilen aus, und die Hersteller kombinieren den Riemen hier mit kleinen Akkus und leichten Rahmen. Der Stadtfuchs hat einen Akku mit 236 Wh, die beiden Turmali einen mit 360 Wh. Für den Stadtfuchs nennt URWAHN je nach Ausführung 50 bis 100 km laut Hersteller, für die Turmali gibt Deruiz bis zu 110 km laut Hersteller an.
Was der Wert Wartung zeigt
Stadtpedal gibt jedem Rad einen Wert für die Wartung, gerechnet aus Schaltung, Riemen und Motorlage. Ein Riemen hebt diesen Wert deutlich. Die drei Riemenräder erreichen hier 9 von 10. Räder mit Kettenschaltung und Heckmotor liegen bei 3, das Deruiz Quartz Pro mit Mittelmotor bei 2, weil ein Mittelmotor seine Kraft über Kette und Ritzel schickt und diese schneller verschleißen.
Zum Vergleich: dieselben Räder mit Kette
Der beste Vergleich liegt in derselben Familie. Das Deruiz Turmali S teilt Motor, Akku und Bremsen mit den beiden anderen Turmali, wird aber in den hier geführten Ausführungen ohne Riemen angeboten. Es wiegt 19,0 kg mit Akku. Eine Schaltung nennt Deruiz auch hier nicht, deshalb bleibt sein Wartungswert leer.
Daneben stehen Stadträder mit klassischer Kettenschaltung: Das Deruiz Quartz hat acht Gänge an einer Kette und wiegt 24,59 kg, das Quartz Pro hat neun Gänge und einen Mittelmotor bei 26,2 kg. Unter den Falträdern fährt das Blaupunkt HENRI mit sechs Gängen an einer Kette und wiegt rund 21 kg. Mehr Gänge helfen am Berg, sie brauchen aber eine Kette, die gereinigt und geölt werden will.
Pflege im Vergleich
Eine Kette will regelmäßig gereinigt und geölt werden, und sie längt sich mit der Zeit. Ist sie zu lang, nutzt sie auch Ritzel und Kettenblatt ab, die dann mit getauscht werden. Ein Riemen braucht weder Öl noch Reiniger, ab und zu genügt Wasser. Seine Spannung muss allerdings stimmen, sonst springt er unter Last über die Zähne. Wie lange ein Riemen hält, nennt keiner der drei Hersteller im Datenblatt.
Riemen bei Regen und im Winter
Gerade im Winter, wenn Streusalz und Matsch eine Kette angreifen, zeigt der Riemen seine Stärke. Er rostet nicht, und Schmutz setzt sich kaum fest. Die beiden Turmali mit Riemen haben laut Datenblatt zudem Schutzbleche und Licht nach StVZO. Beim Stadtfuchs nennt URWAHN Licht nach StVZO, zu Schutzblechen fehlt die Angabe. Für das ganze Jahr bieten die Turmali mit Riemen nach den Datenblättern also das vollständigere Paket.
Für wen sich ein Riemen lohnt
Nach den Datenblättern passt ein Riemen zu Wegen, die überwiegend flach sind, zu Fahrern, die ungern schrauben, und zu Rädern, die in der Wohnung stehen. Wo es steil wird oder wo Sie viele Gänge brauchen, bieten die Räder mit Kettenschaltung mehr Spielraum. Die Linie Riemen sammelt alle Räder, für die ein Hersteller einen Riemenantrieb angibt, und wächst, sobald weitere Datenblätter hinzukommen.
Die Räder aus diesem Wegweiser
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15,5 kg, Heckmotor, 236 Wh
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24,6 kg, Heckmotor, 644 Wh
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21 kg, Heckmotor, 378 Wh
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